bigo - Über die Notwendigkeit zur Gründung der "BIGO"

Die BIGO – Breitbandinfrastrukturgesellschaft Oberhessen GmbH – wurde im Dezember 2013 unter der Absicht gegründet, für den nördlichen und östlichen Wetteraukreis sowie für den Vogelsbergkreis die bestehenden Versorgungsdefizite mit „Schnellem Internet“ zu beseitigen. Der nördliche und östliche Wetteraukreis sowie der Vogelsbergkreis waren zu diesem Zeitpunkt auf der Internetlandkarte in Hessen als blütenweiße Flecke auszumachen. In welcher Form und auf welche Weise dieser Zustand behoben sollte, blieb zunächst offen.

Ländliche Räume – und dies gilt keineswegs nur für den Wetteraukreis und für den Vogelsbergkreis – sind für die „Platzhirsche“ auf dem Telekommunikationsmarkt von nur untergeordnetem Interesse, weil ganz einfach das dichte Kundenpotential für lukrative Geschäftsergebnisse fehlt. Erste Gespräche mit denkbaren Projektpartnern verliefen leider ergebnislos, wodurch sich durch die „Not des Handlungszwanges“ immer stärker der Gedanke an die Schaffung eigener Glasfaserinfrastrukturen aufdrängte.

Bevor die BIGO die Entscheidung zum Bau eines eigenen Breitbandnetzes in ihrem Geschäftsbereich traf, musste sie ein Markterkundungsverfahren durchführen um dadurch festzustellen, ob eines der am Markt tätigen Telekommunikationsunternehmen bereit oder interessiert wäre, das vorgesehene BIGO-Geschäftsgebiet eigenwirtschaftlich, das bedeutet ausschließlich auf eigene Kosten und eigenes Risiko, mit Glasfaserinfrastruktur auszubauen.

Das Ergebnis des Markterkundungsverfahrens fiel erwartungsgemäß negativ aus – d. h. keines der allgemein bekannten Telekommunikationsunternehmen zeigte sich an einem eigenwirtschaftlichen Ausbau interessiert. Folglich blieb den Verantwortlichen der BIGO keine andere Wahl, als sich für den Bau eines eigenen kommunalen Breitbandnetzes zu entscheiden.

Ein eigenes kommunales Netz, das an einen Internetanbieter vermietet wird, wird fachsprachlich als „Betreibermodell“ bezeichnet. Dies ist eine Modellvariante, bei der der kommunale Netzeigentümer sein selbst geschaffenes Breitbandnetz an ein Internetunternehmen vermietet. Dieses wiederum stellt seine Produkte an die Endkunden bereit.

Als Träger der BIGO schlossen sich eine ganze Anzahl von Städten und Gemeinden des östlichen / nördlichen Wetteraukreises sowie der Wetteraukreis selbst zu der Breitbandbeteiligungsgesellschaft Wetteraukreis GmbH (BBW) und im Vogelsbergkreis alle Städte und Kommunen sowie der Landkreis Vogelsberg, außer der Stadt Lauterbach und der Gemeinde Wartenberg, zur Breitbandbeteiligungsgesellschaft Vogelsbergkreis GmbH (BBV) zusammen. Die Stadt Lauterbach und die Gemeinde Wartenberg hatten bereits vor der BIGO-Gründung eigene Breitbandversorgungslösungen geschaffen.

Die BBW und die BBV gründeten gemeinsam mit dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) die BIGO und begaben sich auf den Weg, das „BIGO-Geschäftsgebiet“ mit eigener Glasfaserinfrastruktur zu versorgen. Glasfaserausbau ist allerdings sehr teuer und wäre ausschließlich aus Eigenmitteln der BIGO-Gesellschafter nicht zu finanzieren gewesen. Somit wurde es notwendig, auf öffentliche Fördergelder zurück zu greifen.

Somit begann die BIGO ab 2014 eine Planung für ihr Vorhaben vorzubereiten, die notwendigen Fördergelder zu beantragen, darüber hinaus bestehenden Kreditbedarf zu klären und ein Ausschreibungsverfahren für einen künftigen Netzbetreiber durchzuführen. Gerade die Beschaffung von Fördergeldern sind sehr langwierige und zeitintensive Prozesse, zumal eine Breitbandförderrichtlinie des Bundes erst im Dezember 2015 (!) verabschiedet wurde.

Bis Mitte November 2016 hatte die BIGO ihr Vorhaben zur Ausschreibungsreife durchgeplant. Aus dieser Zeit stammen auch die Veröffentlichungen der BIGO, die einen voraussichtlichen Bauzeitplan umfassten, der bereits Auskunft darüber gab, wann welche Stadt oder Gemeinde an das schnelle Internet angebunden werden sollte. Die diesbezüglichen Planungen waren bereits sehr konkret und sie sind vielen interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch heute noch präsent.

Immer wieder gehen Anfragen bei uns ein, die sich auf diese frühere Bauzeitplanung beziehen. Leider ist es zumindest in Teilen der öffentlichen Wahrnehmung untergegangen, dass dieses Vorhaben der BIGO inzwischen zu „Geschichte“ geworden ist: Im November 2016 überraschte die Deutsche Telekom mit einer unerwarteten Nachricht. Aufgrund einer geänderten eigenen Marktstrategie erklärte sie sich bereit, die Kommunen des östlichen / nördlichen Wetteraukreises eigenwirtschaftlich, d. h. ohne Forderung eines Baukostenzuschusses auf Basis FTTC (VDSL) ausbauen zu wollen.

Wer will es den politisch verantwortlichen Aufgabenträgern aus den Wetterauer Kommunen verdenken, dass sie von diesem geradezu alternativlosen Angebot Gebrauch machten. Es war im Grunde sogar eine Entscheidung auf der Grundlage des gesetzlichen Gebotes zu sparsamem und wirtschaftlichem Handeln der kommunalen Gemeinwesen. Durch die Offerte der Deutschen Telekom bot sich die Chance, ohne eigenes Kosten- und Geschäftsrisiko relativ zeitnah durch den Marktführer mit schnellen Internetzugängen versorgt zu werden.

Die Deutsche Telekom verwirklichte denn auch bereits im Laufe des Jahres 2017 in einer überraschend zügigen Vorgehensweise ihre Erschließungsabsichten. Diese Entwicklung bedeutete allerdings für das gesamte BIGO-Vorhaben das endgültige „Aus“, soweit es um die Realisierung eines eigenen, kommunalen Netzes ging.

Was bedeutete diese Entwicklung für den Vogelsbergkreis?

Der Vogelsbergkreis ist schließlich der drittgrößte Flächenkreis in Hessen, allerdings mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Das bedeutet, es sind sehr weite Tiefbaustrecken bei der Glasfaserverlegung zu überwinden, in den Höhenlagen des Vogelsbergkreises mit zum Teil sehr schwierigen Bodenklassen. Zum Vogelsbergkreis gehören rund 180 Städte, Gemeinden und Ortsteile, und in jedem Ortsteil muss mindestens ein Kabelverzweiger neu gesetzt werden, in sehr vielen Fällen größenabhängig sogar mehrere. Ein Kabelverzweiger kostet etwa 30.000 €.

Hinzu kommen die Tiefbaukosten zur Kabelverlegung. Der Vogelsbergkreis ist zugleich aber der Landkreis in Hessen mit der geringsten Bevölkerungsdichte – mit nur 74 Einwohnern pro Quadratkilometer (qkm). Das bedeutet, einerseits werden hohe Investitionskosten notwendig, andererseits sind im Vergleich zu Ballungsgebieten nur erheblich niedrigere Anschlussnehmergebühren zu erwarten. Zwar erklärte sich die Deutsche Telekom ebenfalls bereit, den Vogelsbergkreis auszubauen, allerdings gegen Zahlung eines vergleichsweise hohen Baukostenzuschusses.

Nun war guter Rat teuer und es entstand dringender Handlungsbedarf zur Suche einer Lösung. Landrat Görig aktivierte in dieser Situation alle maßgeblichen administrativen Institutionen, angefangen bei dem für den Breitbandausbau zuständigen Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur, über das Bandeskanzleramt, über das Hessische Wirtschaftsministerium, weiter über politische Aufgaben- und Mandatsträger wie Herrn Staatssekretär Bomba und Herrn Kanzleramtsminister Dr. Braun, um durch eine konzertierte Aktion die Deutsche Telekom zu einer Konsenslösung für die Breitbanderschließung des Vogelsbergkreis zu bewegen.

Dies gelang in intensiven Verhandlungen Anfang Dezember 2016 in Wiesbaden, wonach sich die Deutsche Telekom ebenfalls zu einem eigenwirtschaftlichen Ausbau von großen Teilen des Vogelsbergkreises, allerdings unter der Erwartung verschiedener Synergieleistungen bereiterklärte. Für den interessierten Beobachter des Verfahrens muss aber an dieser Stelle klar sein, dass das BIGO-Modell als sogenanntes „Betreibermodell“ durch diese Entwicklung definitiv sein Ende fand. Das gilt deshalb selbstverständlich auch für die Ausbauankündigungen und die Bauzeitenpläne aus BIGO-Zeiten, die keinen Bezug mehr zu der weiteren Ausbauentwicklung haben, denn wir befinden uns inzwischen in einem völlig anderen Verfahren.

Wie sollte und soll es nun in Sachen Breitbandversorgung des Vogelsbergkreises weitergehen?

Die Wirtschaft ist ein wesentlicher Faktor Absolute Priorität besitzt für den Vogelsbergkreis die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit bedarfsgerechten Bandbreiten. Eine Versorgung der Gewerbebetriebe und Gewerbegebiete – zumindest solcher, die tatsächlich sehr hohen Bandbreitenbedarf haben – war bereits im BIGO-Projekt vorgesehen.

Die Wirtschaft ist der Motor einer Region. Sie schafft Arbeitsplätze und fragt Investitionen nach und trägt somit ganz wesentlich dazu bei, die Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten und fortzuentwickeln. Allein schon für diesen Beitrag im Sinne einer positiven Gesellschaftsentwicklung verdient die Wirtschaft die volle öffentliche Unterstützung zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Deshalb ist es von größter Wichtigkeit, vorrangig die Wirtschaft mit zukunftsfähiger Breitbandinfrastruktur zu versorgen. Dieses Bestreben sollte natürlich in einem anders gearteten Modell als dem ursprünglich geplanten Betreibermodell nicht schlechter realisiert oder gar aufgegeben werden. Da die Versorgung der Wirtschaftsstandorte mit zukunftsgerechter Breitbandinfrastruktur ganz eindeutig auf oberster Rangstelle angesiedelt ist, galt es zunächst die Finanzierung und Förderfähigkeit dieser Erschließungsmaßnahmen zu sichern.

Für die Versorgung der Gewerbegebiete gibt es besondere Förderprogramme, die eine Erschließung mit Glasfaserzugängen die Bandbreiten von > 1 GBit/s ermöglichen. Von diesen Förderprogrammen hat der Vogelsbergkreis Gebrauch gemacht und ist inzwischen im Besitz entsprechender Förderbescheide. Nicht zu vergessen ist die dringend notwendige Versorgung der Schulstandorte mit schnellen Internetzugängen, denn eine zeitgemäße Unterrichtsgestaltung ist unverzichtbarer Bestandteil zur Vermittlung der digitalen schulischen Bildung.

Das bedeutet: Jeder Schulstandort wird einen direkten Glasfaserzugang mit mindestens 1 GBit/s Bandbreite erhalten. All diese Maßnahmen erfordern bereits in der Vorbereitung viel Zeit und Aufwand, während von den eigentlichen Ausbaumaßnahmen noch nichts zu spüren ist. Aber all diese Schritte sind notwendig, damit der bauliche Teil beginnen kann. Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten: Die Bereitstellung der Fördergelder ist an die Einhaltung wettbewerblicher Regeln gebunden.

So ist es der BIGO verwehrt, sich einen Internetanbieter nach eigenen Wünschen auszusuchen und ihn mit der Erschließung der gewerblichen Bereiche zu beauftragen. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist ein europaweites, anbieter- und technologieneutrales Ausschreibungsverfahren vorzuschalten, das einen sehr langen Zeitraum in Anspruch nimmt.

Allein das Förderverfahren zur Beantragung von Bundesmitteln und die Klärung der Förderkulisse im neuen Ausbaumodell hat annähernd ein volles Jahr gedauert. Es musste wegen der neuen Verhältnisse ein neues Markterkundungsverfahren durchgeführt werden, das zwei volle Monate in Anspruch nahm. Anschließend war ein wettbewerbliches Ausschreibungsverfahren europaweit zu veröffentlichen, das unter gewöhnlichen Umständen einen Zeitrahmen von 6 bis 8 Monaten beansprucht.

Die BIGO befindet sich derzeit in der Schlussphase der Ausschreibung und hofft, bis etwa Mitte November 2018 auf Ergebnisse, die einen Vertragsabschluss zum weiteren Ausbau ermöglichen. So vergeht die Zeit und sowohl die interessierten Bürgerinnen und Bürger, als auch die Wirtschaft fragen aus verständlichen Gründen: Wann geht es endlich bei uns los? Wann kommen wir in den Ausbau? Diese regulatorischen Vorschriften sind unumgänglich, sie führen letztendlich zu diesen ausgedehnten Verfahrensdauern und sie lassen sich nur sehr begrenzt zeitlich beeinflussen.

Wie erfolgt der Ausbau in der Fläche?

Im Laufe des Jahres 2017 startete die Deutsche Telekom den flächenhaften, eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau im Vogelsbergkreis, in den von ihr geplanten Bereichen. Die Start-up-Veranstaltung fand auf dem Marktplatz in Alsfeld statt und nur wenig zeitversetzt wurden die Städte Lauterbach, Schlitz und Romrod in den weiteren Ausbau einbezogen. Leider ergaben sich unvorhergesehene logistische Probleme sowohl bautechnischer als auch personeller Natur, sodass die Deutsche Telekom ihre Zeitplanung nicht umfassend einhalten konnte.

Gleichwohl war es der Deutschen Telekom möglich, bis zum Ende des Jahres 2017/Anfang 2018 rund 15.000 Haushalte und Standorte im Vogelsbergkreis an das schnelle Internet anzubinden. Im Laufe des Jahres 2018 wurde der Ausbau an verschiedenen Standorten im Landkreis zielstrebig fortgeführt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass bis zum Jahresende 2018 weitere ca. 13.000 Haushalte mit Breitbandzugängen versorgt sein werden.

Hinzu kommen noch etwa 6.000 Haushalte, die durch den Nahbereichsausbau um die Vermittlungsstellen der Deutschen Telekom den Zugriff auf schnelle Bandbreiten erhalten. Bei diesem Vorgehen der Deutschen Telekom spricht man von FTTC-Ausbau. Das bedeutet „Fiber-to-the-curb“. Dabei werden die Kabelverzweiger (KVZ) in den einzelnen Ortschaften mit direkter Glasfaserzuführung erschlossen. In Glasfaserleitungen werden die Signale per Lichtwellen transportiert, was zu diesen hohen Übertragungsgeschwindigkeiten führt.

Vom KVZ aus gehen dann die ankommenden und abgehenden Signale über die bisherigen Telefon-Kupferleitungen zu / von den Anschlussnehmern. Dazu wiederum müssen die Lichtwellensignale in elektromagnetische Signale umgeformt werden, was mittels eines sogenannten Vectoring-Moduls geschieht. Deshalb nennt man den FTTC-Ausbau auch Vectoringausbau. Vectoringausbau ist ohne Frage derzeit das Mittel der Wahl, um große Bereiche relativ schnell und kostengünstig mit Glasfaserinfrastruktur zu versorgen.

Durch diesen Ausbauschritt werden ca. 95 % aller Haushalte über Bandbreiten von mindestens 30 Mbit/s verfügen können. Davon wiederum werden bei 85 % der Anschlussadressen sogar 50 bis 100 Mbit/s zur Verfügung stehen. Aktuell laufen derzeit Ausbaumaßnahmen in Eifa, Elbenrod, Schwabenrod und Angenrod bzw. sind in der Fertigstellung. Zeitnah wird der letzte noch verbliebene Kabelverzweiger (KVZ) in Liederbach werden ausgebaut.

Dasselbe gilt für die Antrifttaler Ortsteile, die zum Ortsnetz Alsfeld gehören. Das sind Seibelsdorf, Ruhlkirchen und Vockenrod. Alle diese genannten Stadt-/Ortsteile waren bis Ende 2017 durch die Ausbauabsichten eines kleineren Internetunternehmens zum eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Deutsche Telekom blockiert, weil dieser eigene Ausbauabsichten bei der Bundesnetzagentur angemeldet hatte, die er letztlich nicht verwirklichen konnte. Somit war es der Deutschen Telekom erst seit Mai 2018 möglich, die bereits lange vorher geplanten Ausbauabsichten zu realisieren.

In wenigen Tagen beginnt der Breitbandausbau für Billertshausen, im Romrod-Zell haben die ersten Ausbauschritte ebenfalls begonnen. Parallel dazu wird der Ausbau in Mücke fortgeführt und zwar in den Ortsteilen Merlau, Flensungen, Ilsdorf, Groß-Eichen und Sellnrod sowie Nieder-Ohmen und Wettsaasen. Wenig zeitversetzt folgen Homberg/Ohm mit der Kernstadt und mit den Stadtteilen Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden und Maulbach.

Ebenfalls während des Jahres 2018 startet der Ausbau noch in der Kernstadt Schotten bzw. ist bereits begonnen sowie in den Stadtteilen Betzenrod, Einartshausen und Götzen. In der Gemeinde Lautertal wird der Ortsteil Meiches noch im Laufe dieses Jahres erschlossen.

Wir werden unsere Internetseite stets weiter aktualisieren, sobald wir nähere Informationen zum Ausbaugeschehen bekannt geben können und bitten Sie bis dahin um etwas Geduld und Nachsicht. Sobald es uns möglich ist, werden unter einem besonderen Button die jeweils folgenden Ausbauziele hinterlegt.